Solarenergie für Afrika – Mobisol im Interview

Solarenergie für Afrika – Mobisol im Interview

Große Gebiete in Zentral- und Ostafrika sind nicht oder nur zeitweise mit Strom versorgt. Allein in Tansania leben sieben Millionen Menschen ohne Strom. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist die Stromversorgung schlecht.  Ein Anschluss an das zentrale Stromnetz gestaltet sich oft schwierig, da ein solcher Anschluss sehr kostspielig ist und aufgrund hoher Korruption schwierig zu erhalten ist.

Mobisol versucht das zu ändern und verkauft Solarpanele als dezentrale, autarke Energiequellen. Die kompakten Solarsysteme liefern ausreichend Strom für die Grundversorgung einer Familie– also Licht, Radio und Handy. Größere Versionen können auch einen Kühlschrank oder Maschinen in Unternehmen und Krankenhäusern betreiben. Damit auch weniger wohlhabende Menschen sich ein Solarsystem leisten können, bietet Mobisol seinen Kunden an den Kaufpreis in 36 Monatsraten von knapp 20 Euro abzustottern.

1. Was hat in der Vergangenheit besonders gut geklappt? Welche positiven Erfahrungen habt ihr gemacht?

Unser Geschäftsmodell basiert darauf, Menschen, die keinen Zugang zu einem Stromnetz haben, sauberen und günstigen Strom zu liefern. Die positivste Erfahrung, die wir immer wieder machen, spielt sich vor Ort bei unseren Kunden in Ostafrika ab. Konkret, wenn sie zum ersten Mal elektrisches Licht in ihrem Haus oder ihrer Hütte anschalten. Wir stellen unseren Kunden in entlegenen Gebieten Ostafrikas einen Service bereit, der ihren Lebensstandard schlagartig verbessert: Sie haben nun bei Einbruch der Nacht helles Licht, können Handys aufzuladen, Radio hören, Fernsehen schauen oder einen Computer mit Internet betreiben. All das funktionierte für weite Teile der ländlichen Bevölkerung Ostafrikas zuvor nicht. Und es gibt einen direkten positiven Effekt: Solarstrom ersetzt Kerosinlampen, die teuren Brennstoff benötigen und stark gesundheitsschädliche Gase emittieren, unter denen besonders die Kinder leiden.

Unsere Kunden verbessern durch die Nutzung von Solarstrom aber auch ihre wirtschaftliche Situation. Etwa 30% können mithilfe ihres Solarsystems ein zusätzliches Haushaltseinkommen erwirtschaften – zum Bespiel durch das Betreiben eines Dorfkinos oder Frisörsalons oder das Aufladen von Handys und Solarlampen. Mobisol erzeugt aktuell günstigen und sauberen Strom für fast eine halbe Million Menschen in den ländlichen Gebieten Ostafrikas. Ein zusätzlicher positiver Aspekt ist natürlich, dass Solarstrom eine nachhaltige Alternative zu fossilen Brennstoffen darstellt – und so zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt.

2. Gibt es auch negative Erfahrungen oder Fehler, die ihr in der Vergangenheit gemacht habt?

In unserer Pilotphase im Jahr 2012 ging es darum, die Technologie für die Realitäten der lokalen Märkte und den Ausbau der Serviceinfrastruktur zu optimieren. Dazu mussten wir natürlich erst einmal ins Feld gehen, über Monate hinweg unsere Systeme testen und Feedback sammeln. Dabei gab es immer wieder Hürden – wie mangelhafte Transportinfrastruktur, kulturelle Missverständnisse und Herausforderungen bei der Logistik. Die Solarsysteme, aber eben auch unsere Marketingstrategie und Serviceleistungen, mussten Schritt für Schritt an die lokalen Begebenheiten angepasst werden. Das war streckenweise schon ein mühseliger Prozess.

In der nächsten Phase standen wir vor der Herausforderung, gut ausgebildete Mitarbeiter in ländlichen Gebieten Ostafrikas zu finden. Deshalb haben wir dann die “Mobisol Akademie” gegründet, wo alle unsere MitarbeiterInnen ausgebildet werden. Das ist ein ganz entscheidender Punkt: Nur mit einem gut ausgebildeten Team können wir eine wirklich nachhaltige Infrastruktur, sichere Installationen und einen ordnungsgemäßen Kundenservice in abgelegenen Regionen sicherstellen. Mobisol ist durch die Schaffung von über 1.000 festen Arbeitsplätzen zu einem begehrter Arbeitnehmer in Ostafrika geworden.

3. Welche nächsten Schritte stehen bei euch an? Was sind eure Pläne für die nächste Zeit?

Wir arbeiten aktuell intensiv an der Erweiterung und Optimierung unseres Produkt- und Dienstleistungsangebots. So entwickeln und testen wir eine Reihe neuer und kapazitätsstarker Solarsysteme, sowie weitere mit Solarstrom betriebener Geräte. Zum Beispiel haben erst kürzlich eine solarstrombetriebene mobile Arbeitsstation entwickelt – mit einer Kapazität von 800W. Damit können unter anderem Schweißmaschinen und elektrische Bohrer betrieben werden. Weiterhin bieten wir in der Zwischenzeit unsere selbst entwickelte Software Suite auch anderen Unternehmen an, die ihre Produkte über so genannte “Pay-As-You-Go” Modelle vertreiben – also in Raten über das Mobiltelefon bezahlt werden können. Wir haben unsere Software also in diesem Fall von unserer Hardware entkoppelt und können damit andere Unternehmen unterstützen, die sich auf Angebote für ländliche Bevölkerungsgruppen spezialisiert haben.

Für die Zukunft planen wir sowohl die Expansion unseres Kerngeschäftes als auch zunehmend Partnerschaften mit anderen Social Businesses, um einer wachsenden Zahl von Menschen nachhaltige Lösungen zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse anzubieten.

Fotos: © Mobisol GmbH


Unsere Cleantech-Expertin Jana Koritkowski berichtet jetzt jede Woche von innovativen Cleantech-Startups und den neuesten Entwicklungen aus der Szene.

„Mich begeistert das Thema, weil technologischer Fortschritt eingesetzt wird, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Nur so können echte Alternativen zu aktuellen Praktiken geschaffen werden, um langfristig Umweltbeeinträchtigungen zu minimieren.“

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