Gegen dicke Luft in unseren Städten – Green City Solutions im Interview

Gegen dicke Luft in unseren Städten – Green City Solutions im Interview

Jeder achte Todesfall weltweit ist auf verschmutzte Luft zurückzuführen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Luftverschmutzung daher als das „größte ökologische Gesundheitsrisiko“ ein. Lehnt man sich nun zurück und denkt, dies sei hauptsächlich ein Problem asiatischer und afrikanischer Großstädte, liegt man falsch. Auch eine kürzlich vom Umweltbundesamt veröffentlichte Studie über Feinstaub- und Stickstoffdioxidgehalt der Luft in deutschen Städten, zeigt, dass vielerorts Grenzwerte überschritten werden und die Luftqualität im europäischen Vergleich abfällt.

Mithilfe des sogenannten CityTrees möchte das Startup Green City Solutions die Luftqualität verbessern. Der CityTree ist ein Begrünungssystem welcher über die Umweltleistung von 275 herkömmlich gepflanzten urbanen Bäumen verfügt, dabei allerdings 99 % weniger Platz benötigt.

Dies wird erreicht durch den Einsatz spezieller Moos-Kulturen, die wegen ihrer vielen kleinen Blättchen einen vierfach höheren Gasaustausch pro Quadratmeter als Laubbäume haben.

Die Wasserversorgung basiert auf der Nutzung von Solarenergie und Regenwasser und somit benötigt der CityTree weder Wasser – noch Stromanschluss.

1. Was hat in der Vergangenheit besonders gut geklappt? Welche positiven Erfahrungen habt ihr gemacht?

Wir können glücklicherweise auf zahlreiche positive Erfahrungen seit der Firmengründung im März 2014 zurückblicken. So konnten wir den CityTree bereits in zahlreichen Städten präsentieren. Derzeit befinden sich Installationen in Oslo, Paris, Berlin sowie in Dresden und Hong Kong. Dank der freistehenden Konstruktion war unser intelligenter Pflanzenfilter außerdem mehrfach temporär in München, Berlin, Hannover, Regensburg, Krefeld, Halle, Jena und Dresden im Einsatz.

Nicht zu unterschätzen sind darüber hinaus erfolgreiche Wettbewerbsteilnahmen und Auszeichnungen. Unabhängig von den Sach- und Geldpreisen helfen sie, Vertrauen in ein junges Start-up und ein innovatives Produkt aufzubauen und die Bekanntheit zu stärken. Sie zeigen, dass alternative Lösungsansätze und neue Ideen für bestehende Probleme existieren. Außerdem ist es erfreulich zu sehen, wie toll unser Team zusammenarbeitet und stetig wächst.

2. Gibt es auch negative Erfahrungen oder Fehler, die ihr in der Vergangenheit gemacht habt?

Besonders in der Start-Phase galt es, viele Herausforderungen zu meistern. So begannen wir ohne bestehende relevante (Industrie-)Kontakte oder externe Finanzmittel. In diesem Zusammenhang erfolgten auch die Konstruktion, die Planung und der Aufbau des ersten Prototyps auf der HannoverMesse aus eigenen Mitteln und ohne externe Unterstützung. Die Finanzierungsabfolge gestaltete sich ohne Venture Capital. Zunächst erfolgte eine Bootstrapping-Phase der Gründer und die Finanzierung mittels gewonnener Preisgelder, auf Basis staatlicher Gründerstipendien und Accelerator Programme sowie mit einem Bankkredit, bevor die ersten Gewinne aus Verkäufen erzielt werden konnten.

Zu nennen sind ebenfalls die Herausforderungen, welche in Zusammenhang mit unserem Produkt existieren. So ist unsere Entwicklung keine App, sondern ein 4 Meter hohes, 3 Meter breites und bis zu 4.500 kg schweres Konstrukt. Sowohl die (Prototypen-)Präsentation als auch die (Produkt-) Erstellung und der -transport gestalten sich daher weitaus komplexer.

Darüber hinaus ist es vonnöten, stets den Wechsel zwischen der „Business-Welt“ im Büro, bei Präsentationen und Veranstaltungen und der körperlichen Arbeit in der Werkstatt, bspw. im Rahmen des Prototypen-Baus, zu beherrschen.

3. Welche nächsten Schritte stehen bei euch an? Was sind eure Pläne für das neue Jahr?

Wir wollen in den nächsten Jahren weiterwachsen, auch international, und am Produkt arbeiten. Für dieses Ziel sind Forschungskooperationen mit renommierten Instituten angestoßen und Weiterentwicklungen in Planung. Zusätzlich zu den bestehenden Services sollen weitere Elemente der existierenden Infrastruktur integriert werden können, wie bspw. Paketstationen, Fahrkarten- oder Parkscheinautomaten. Im Jahr 2020 soll die erste Megacity flächendeckend mit der grünen Infrastruktur ausgestattet sein. Für dieses Ziel sind wir derzeit in Gesprächen mit zahlreichen Städten im In- und Ausland

© Green City Solutions GmbH


Unsere Cleantech-Expertin Jana Koritkowski berichtet jetzt jede Woche von innovativen Cleantech-Startups und den neuesten Entwicklungen aus der Szene.

„Mich begeistert das Thema, weil technologischer Fortschritt eingesetzt wird, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Nur so können echte Alternativen zu aktuellen Praktiken geschaffen werden, um langfristig Umweltbeeinträchtigungen zu minimieren.“

E-Mail: jana.k@blackchili.de | xing | linkedin